Hopfenernte

In meinem bisherigen Ausbildungs- und Berufsleben hatte ich nur mit Hopfenpellets zu tun. Die Vorteile liegen auf der Hand, wenig Platzbedarf, leichte Handhabung und grosses Angebot bestimmten meine Wahl. Trotzdem hat es mich immer gereizt Hopfendolden einzusetzen. Meine Erfahrungen damit sind eher gering, kenne ich eher die theoretischen Grundlagen. In einigen Hobbybrauer-Foren haben ich auch gelesen, dass sich die Dolden durchaus positiv auf den Geschmack auswirken können.
Mir wurden netterweise die Dolden einer Hopfenpflanze überlassen. Das Spannende daran ist, dass ich nicht genau weiss, um welchen Hopfen es sich handelt, noch wie hoch der alpha-Säuregehalt der Dolden ist.

frisch gezupfter Hopfen

Bei Regenwetter wurden die Dolden gezupft und wir bekammen so um die 200 g Hopfen beisammen. Nach einer kurzen Recherche im Internet fand ich heraus, dass Hopfen als Grüngut noch 80-85 % Wasser besitzt. In Ermangelung an eigenen Analysengeräte gehe ich mal davon aus, dass die Dolden locker bei 85 % liegen. Für die Lagerung des Hopfens ist es nun wichtig, dass er auf einen Wassergehalt von ca. 11 %  getrocknet wird. Diese Trocknung sollte nicht über einer Temperatur von 65 °C geschehen.

frischer Hopfen auf Backblech zum Trocknen

Als Darre musste der heimische Ofen herhalten, der bei 50 °C Umluft die Dolden auf unterster Schiene trocknete. Ein Kochlöffel in der Tür ließ einen ständigen Luftaustausch zu. Durch das Aufstellen einer Massenbilanz ist es möglich den Wassergehalt anhand des Gewichts zu berechnen. Dabei bestimme ich das Gewicht vor dem Trocknen m_1 und nach dem Trocknen m_2. Beim Trocknen bleibt die Trockenmasse m konstant, so dass man hier gleichsetzen kann.

  m_1 = m_1 \cdot x_1 + m \\  m_2 = m_2 \cdot x_2 + m \\  \frac{m_1}{m_2} = \frac{1-x_2}{1-x_1}

 

Durch Einsetzen der gemessenen Werte von m_1 = 195~g und m_2 = 66~g nach zwei Stunden Trocknung ergibt sich folgender Wassergehalt.

  x_2 = 1 - \frac{m_1}{m_2} \cdot (1 - x_1) = 1 - \frac{195~g}{66~g} \cdot (1 - 0,85) = 0,26 = 26 \%

 

getrockneter Hopfen auf Backblech

Mit 26 % ist der Gehalt immer noch zu hoch. Es musste weiter getrocknet werden. Auch wenn die Annahme nicht ganz sauber ist, wollte ich eine Abschätzung über die Trocknungsdauer mit Hilfe der linearen Regression geben. In zwei Stunden hatte ich einen Wassergehaltsunterschied von \Delta x_1 = 0,85 - 0,26 = 0,59 erfahren, in welcher Zeit habe ich einen Unterschied von \Delta x_2 = 0,85 - 0,11 = 0,74 erreicht?

  \frac{x_1}{t_1} = \frac{x_2}{t_2} \\  t_2 = \frac{x_2}{x_1} \cdot t_1 = \frac{0,74}{0,59} \cdot 2~h = 2,5~h

 

Nach Ablauf der zweieinhalb Stunden wurden die Dolden noch ein letztes Mal gewogen und ihr Wassergehalt bestimmt.

  x_2 = 1 - \frac{195~g}{54~g} \cdot (1 - 0,85) = 0,1 = 10 \%

 

Mit 10 % liegt der Wassergehalt etwas darunter, aber über Nacht nimmt der Hopfen wieder etwas Wasser über die Luft auf. Erst am nächsten Tag nach ca. 8 h kamen die Dolden in einen Gefrierbeutel und wurde in den Eisschrank gelegt. Dort lagern sie nun bis sie zum nächsten Sud eingesetzt werden.

Getrockneter Hopfen

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2 Kommentare zu Hopfenernte

  1. Peter sagt:

    Bin gerade auf deine Seite gestossen weil ich mich mit dem Thema beschäftige. Deine Formel kann ich ja nachvollziehen – macht auch Sinn. Aber was zur Hölle rechnest du denn da aus um auf die Prozentwerte zu kommen? Das passt ja hinten und vorne nicht 🙂

  2. Peter sagt:

    Bzw. auch die Umstellung sollte mal korrekt geklammert werden

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